Nicht Migros oder Coop, nicht Orange oder die ZVV, nicht Franky Slow-Down oder Beck & Bondi. Sondern ein Spot der Feuerwehr hat es geschafft und ist der Youtube-Clip mit der grössten Verbreitung in der Schweiz.
Die meisten Schweizer Werbefilme fristen auf Youtube ein ziemlich kümmerliches Dasein. So erreichen gefühlte 85% der Spots ein paar hundert bis ca. 4000 Zuschauer. Dann kommen die wenigen Spots, die über 20’000 Klicks erzielt haben (darunter z.B. Bettwaren Fischer aus Wädenswil). Und zum Schluss kommen die Clips – sehr rar und selten – die wirklich viral funktionieren.
Dazu gehört zum Beispiel die „Slow down take it easy“-Kampagne (meist gesehener Clip: 83’000 Klicks) und auch die Migros hat einen Spitzplatz erreicht: Nein, weder mit dem Huhn-Spot oder der So-oder-So-Werbung. Sondern mit „Model Sandy“, der echten, eben Nicht-Modell-Frau, die für Migros-Unterwäsche geworben hat.
500’000 Hits – was Agenturen nicht schaffen, schafft die Feuerwehr.
Doch der absolute Hit ist der Feuerwehr-Spot, den fast 500’000 Zuschauer über ihren Computer laufen liessen (Hintergründe zum Spot gibt’s hier). Das ist einmalig. So einmalig wie die Produktionskosten von nur CHF 600, die weltweiten Medienberichte und der Impact auf die Mitarbeiter-Identifikation, die dieser Nummern-Rap erzielt haben dürfte.
Dabei ist der Wirkungsmechanismus der Feuerwehr-Spots nicht schwer zu verstehen: Echte Menschen, die für ein echtes Anliegen kämpfen – das ist sympathisch, glaubwürdig und faszinierend. Das ist authentisch. Und sehr oft ist das auch sehr erfolgreich. So wie bei Susan Boyle, die 2009 mit 87’000’000 Hits den klaren Sieg weltweit in den Youtube-Charts erzielt hat.
Sowohl Susan Boyle als auch den Feuerwehrspot könnte man jetzt hervorragend konzeptualisieren. Denn beide Phänomene zeigen deutlich, um was es im Post-Advertising-Zeitalter eigentlich geht. Und das ist, auf drei einfache Wörter kondensiert: Be the content.
Be the content!
Be the content – das ist das zentrale Geheimnis der Kommunikation 2.0. Das zeichnet den Spot von Bettwaren Fischer aus, den Feuerwehrman-Clip, die Obi-Spots. Und Steve Jobs mit seinen millionenfach angeklickten Auftritten ist auch nichts anderes als dieses “be the content”.

Bettwaren Fischer aus Wädenswil? Kopist. Hermann Zürcher vo Bassersdorf sag ich da.
Lieber Rolando, du täuschst dich.
Meines Wissens ist der erfolgreichste (wenn man die Klicks als Massstab nimmt) Clip der Schweiz der Clip “Google Earth is not funny anymore” mit über 4,2 Millionen Hits, der bei AdvicoY&R (?) oder Futurecom (?) als interner Gag produziert wurde.
Also doch eine Werbeagentur.
http://bit.ly/guEnX
Nein, lieber Tom. Denn bei mir geht’s um Spots, die von einem Unternehmen produziert oder in Auftrag geben wurden, um etwas zu kommunizieren. Das ist bei dem (Nicht-)Google-Spot aber nicht der Fall (…auch nicht bei den Spots von Vontobel und Brönnimann, die mehr als 1 Million Hits erreicht haben). Ausserdem: Wenn Werber eine Idee haben, ist das noch lange keine Werbeagentur-Idee (musst nur mal den CFO fragen…).
2 Schweizer Spots haben es doch noch etwas weiter gebracht, als die Feuerwehr:
613’189 http://www.youtube.com/watch?v=OlvobK0yAfM
517’092 http://www.youtube.com/watch?v=bwN-XDjGMlo
Kultiger sind aber sicherlich die Feuerwehrleute!
Thx für den Input. Der Spot mit der grössten viralen Verbreitung ist meines Wissen aber die Flashmob-Aktion von Greepeace…