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Machtverschiebung, ach wirklich?

Rolando Baron · 6. September 2011 · 4 Kommentare · Big Thinking

Social Media scheint ja ganz kirre zu machen. Und dem Gewusel in den viralen Netzwerken scheint ein allgemeines Management-Gewusel zu folgen. Denn es droht die Machtverschiebung. Oder die Entmachtung gar? Doch egal – bevor die kommt, kommt das Swiss Social Media Forum. Und dieser Blogartikel.

Haben Marken jemals Macht gehabt? Na ja, vielleicht über ihre Kanäle. Aber niemals über die Markenwahrnehmung selbst. Denn es stimmt schon, was Jeff Bezos sagte: „Your brand is what people say about you when your are not in the room“. Und der selige David Ogilvy sagte: „The brand is the consumer’s idea of a product“.

Doch warum sind Machtverschiebung und Kontrollverlust plötzlich so grosse Themen? Die Vermutung liegt nah: Weil das Web 2.0 eine strukturelle Unbeholfenheit von Management aufzeigt. Denn der viel zitierte Machtverlust ist kein Problem der Kommunikation. Sondern eines, das bisherige Management-Gewohnheiten tangiert.

Web 2.0 und Management – ein Clash of Cultures?

Management basiert auf der Vorstellung von Planung und Steuerung. Und auf dem aktiven Machen von aktiven Machern. Doch die grosse Kneipe Facebook lässt sich nur schlecht steuern. Und das nett Gemachte auf den vielen Social-Media-Kanälen – das ist oft einfach verdammt langweilig. Darum funktionieren auch die wenigsten SM-Aktivitäten von Schweizer Unternehmen. Und deshalb bekommt Facebook nun langsam selbst ein Problem.

Lady Gaga und Migros Ice-Tea

Warum hat Lady Gaga 11mal mehr Twitter-Followers als alle 30 DAX-Unternehmen zusammen? Und warum hat die Migros Ice-Tea Community doppelt so viele Likers wie die offizielle Migros-Page? Weil den einen Authentizität (= Identität mit sich selbst) zugeschrieben wird und damit Street-Credidibiltiy, während die anderen mit Kommunikationskitsch und Mee-Too-Massnahmen glänzen. Doch wenn die selbstproklamierte Identitätsbehauptung auf keinem realen Hintergrund basieren, dann funktioniert’s einfach nicht. Und wer nur in Zusatznutzen investiert, statt am Begründungsnutzen zu arbeiten, der kann ein Community-Building mit echtem Involvement getrost vergessen.

Und was hat das mit Machtverschiebung zu tun? Sagen wir’s mal ganz praxisorientiert: Apple hat Corporate Evangelists und Red Bull seine berühmten Marketing Musketeers. Und genau das ist es, was Marken und Unternehmen heute brauchen. Doch der Aufbau einer Corporate Religion – einer semantischen Struktur, die den reinen Gebrauchsnutzen kulturell überhöht – gehört nicht gerade zur Kernkompetenz von Managern. Dazu braucht es Freaks. So wie Steve Jobs oder Dietrich Mateschitz. Wie Franky Slow Down oder die Feuerwehr Welschland – beides Meilensteine der SM-Aktivitäten in der Schweiz.

Darum noch ein Schlusszitat. Das ist von Mario Andretti, dem legendärer Rennfahrer der 70er Jahre: “Wenn du glaubst, du hättest die Dinge unter Kontrolle, fährst du einfach nicht schnell genug”. Also, Gas geben, Kollegen!

(Sorry für die Rechtschreibfehler…. aber live-bloggen fordert verdammt viel Multi-Tasking-Fähigkeiten ;-) )


 

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